Goethes Pflanze auf Jamaika

Was kann wohl Jamaika mit Goethe zu tun haben? Eigentlich nichts. Aber wenn man weiß, dass die originelle Pflanze, die auf Jamaika „Leaf of Life“ heißt, auch „Goethepflanze“ genannt wird, dann wird man doch häufig an den Dichterfürsten erinnert, denn sie wächst hier wie Unkraut. Goethe hat eine Abhandlung und ein Gedicht über sie verfasst. Auf Jamaika wächst sein „Pflänzlein“ und gedeiht und die Bedingungen sind so günstig, dass es auch blüht, wie er es in seinem Gedicht verheißt:

Mit einem Blatt Bryophyllum Calycinum

Was erst still gekeimt in Sachsen,
soll am Maine freudig wachsen;
Flach auf guten Grund gelegt,
Merke wie es Wurzeln schlägt!
Dann der Pflänzlein frische Menge
steigt in luftigem Gedränge.
Mäßig warm und mäßig feucht
ist, was ihnen heilsam däucht;
Wenn Du’s gut mit ihnen meinst,
blühen sie Dir wohl dereinst.

Tatsächlich kann sich diese Pflanze aus einem einzelnen Blatt entwickeln, weil sich am Blattrand neue kleine Pflänzchen bilden. So können aus einem Blatt, das auf die Erde fällt, viele neue Goethepflanzen entstehen.

Ganz besonders sind auch die Blüten der Goethepflanze: Erst geschlossen, öffnen sie sich und es erscheinen Glöckchen.

Schade, dass Goethe nicht wusste, was mit den Blüten passiert. Es wäre auch ein Gedicht wert: Kleine Vögelchen haben sich auf diese Blüten spezialisiert. Sie picken von oben Löcher hinein, um so an die Pollen zu gelangen.

„Jamaican Stripe Headed Tanager“ heißen die Vögelchen. Sie picken unermüdlich, bis schließlich alle Blüten gelocht sind. Einmal habe ich danach noch einen Kolibri an einer solchen Blüte gesehen. Er hat wohl Nachlese gehalten!

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