Goethes Pflanze auf Jamaika

Was kann wohl Jamaika mit Goethe zu tun haben? Eigentlich nichts. Aber wenn man weiß, dass die originelle Pflanze, die auf Jamaika „Leaf of Life“ heißt, auch „Goethepflanze“ genannt wird, dann wird man doch häufig an den Dichterfürsten erinnert, denn sie wächst hier wie Unkraut. Goethe hat eine Abhandlung und ein Gedicht über sie verfasst. Auf Jamaika wächst sein „Pflänzlein“ und gedeiht und die Bedingungen sind so günstig, dass es auch blüht, wie er es in seinem Gedicht verheißt:

Mit einem Blatt Bryophyllum Calycinum

Was erst still gekeimt in Sachsen,
soll am Maine freudig wachsen;
Flach auf guten Grund gelegt,
Merke wie es Wurzeln schlägt!
Dann der Pflänzlein frische Menge
steigt in luftigem Gedränge.
Mäßig warm und mäßig feucht
ist, was ihnen heilsam däucht;
Wenn Du’s gut mit ihnen meinst,
blühen sie Dir wohl dereinst.

Tatsächlich kann sich diese Pflanze aus einem einzelnen Blatt entwickeln, weil sich am Blattrand neue kleine Pflänzchen bilden. So können aus einem Blatt, das auf die Erde fällt, viele neue Goethepflanzen entstehen.

Ganz besonders sind auch die Blüten der Goethepflanze: Erst geschlossen, öffnen sie sich und es erscheinen Glöckchen.

Schade, dass Goethe nicht wusste, was mit den Blüten passiert. Es wäre auch ein Gedicht wert: Kleine Vögelchen haben sich auf diese Blüten spezialisiert. Sie picken von oben Löcher hinein, um so an die Pollen zu gelangen.

„Jamaican Stripe Headed Tanager“ heißen die Vögelchen. Sie picken unermüdlich, bis schließlich alle Blüten gelocht sind. Einmal habe ich danach noch einen Kolibri an einer solchen Blüte gesehen. Er hat wohl Nachlese gehalten!

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Zwischen Frankfurt und Mainhattan

Zwischen Frankfurt und Mainhattan

Lesung am 21. Oktober 2018, 15 Uhr in der Gaststätte „Zur Insel“
Schmickstraße 16, 60314 Frankfurt/Osthafen (http://www.osthafen-zur-insel.de)

Es ist über 20 Jahre her, dass ich meine erste Lesung eigener Texte unter diesem Titel veranstaltet habe. Mehrere folgten. Seitdem sind natürlich viele Texte und auch Chansons dazugekommen. Zeit, sie mal wieder vorzutragen.

Bei dem Thema dachte ich zunächst an den Kontrast zwischen dem alten Frankfurt und der Stadt der Skyline, dachte auch an den Unterschied zwischen dem Menschentyp der gemütlichen Frankfurter und dem der geschäftigen Banker. Irgendwie bringt Frankfurt sie alle unter einen Hut, besonders beim Ebbelwei.


Altes Gehöft in Frankfurt-Bornheim


Frankfurter Banken, gespiegelt

Nun ist mir aber noch ein anderer Aspekt des Themas aufgefallen: Das Zwischenreich zwischen Frankfurt und Mainhattan. So ein Zwischenreich habe ich nämlich vor Kurzem entdeckt und habe es lieben gelernt. Es ist der Frankfurter Osthafen. Weder die alten noch die neuen Frankfurter nehmen ihn so richtig wahr. Er ist wie ein riesiger Brustkasten, in dem die Organe arbeiten, ohne dass der Kopf sich dessen bewusst ist. Auf den Verkehrsadern fahren Schiffe, Güterzüge und große Lastwagen; Bagger und Kräne beladen und entladen sie. Wenn man durch die Straßen geht, trifft man keine Menschen. Wenn man die Kräne beobachtet, sieht man auch keine Menschen. Alle Organe arbeiten vollautomatisch!


Containerverladung im Osthafen

Wenn man aber gut hinschaut, kann man das Herz des Ganzen entdecken. Es ist eine kleine Kneipe, „Zur Insel“ heißt sie.  Sie ist Anlaufstelle für Lastwagenfahrer und Kranführer, die hier wie zu Hause sind, die hier von der Vollautomatik mal umschalten dürfen auf Familie. Die Wirtin ist die Mutter der Familie. Wie gut, dass es so ein Lokal und so eine Wirtin gibt!


Das Herz des Osthafens

In dem Gastraum fühle ich mich in meine Jugend zurückversetzt, als Menschen und Lebensbedingungen noch etwas bescheidener waren und als Kommunikation noch live passierte.

Ich bin sehr für live Veranstaltungen. Musik in youtube ist gut, aber live Musik ist unendlich viel besser. Dasselbe gilt für alle anderen kulturellen Bereiche. Meine Texte hatte ich schon mal selbst in kleinen Broschüren gedruckt und auch einige verkauft, aber ich strebe keine offizielle Veröffentlichung an, weil mir die Begegnung mit den Menschen wichtiger ist. So erlebe ich, wie die Texte aufgenommen werden und das Publikum erlebt, wie sie gemeint sind. Und da meine Texte vorwiegend heiter sind, haben wir Spaß dabei. Ich freue mich auf den Abend im Herzen des Osthafens.

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Ist das Kunst, oder… ???

Als ich heute mal wieder einen Spaziergang zum Städelgarten machte, traf mich eine orange Schockwelle. Mein erster Gedanke war: Ist das Kunst, oder kann das weg?


„Colormaster F“ von Manuel Franke im Garten des Städel in Frankfurt

Inzwischen weiß ich, dass es Kunst ist. Die Städel-Webseite gibt perfekte Information. Gut. Ich bin sehr für Kunst in allen Ausprägungen. Ich liebe auch Beton und liebe sogar Wellblech. Ich kann dieser Kunst, wie sie mir heute begegnet ist, durchaus etwas abgewinnen. Aber WARUM rückt sie meiner heißgeliebten Bullaugenwiese so sehr auf die Pelle? Die Reihe der jungen Bäume war Teil des Ganzen und ist nun abgeschnitten.

Von der Straße aus gesehen muss man an Grenze, Mauer und Abschottung denken. Das ist zwar aktuell, aber für mich war der Städelgarten bis jetzt kein Politikum sondern einfach nur schön. Und Schönheit ist doch das Einzige, das uns in dieser Zeit noch Kraft geben kann.

Ganz wunderbar finde ich, dass laut Städel-Webseite dieses ein begehbares Kunstwerk sein soll, also begehbar, bekletterbar, bespielbar. Das muss sich wohl erst noch rumsprechen. Bei Gelegenheit werde ich mal vorbeischauen, wie sich die Situation entwickelt hat. Dem Künstler würde ich wünschen, dass er sein Werk im Anschluss an den Standort Städel an anderer Stelle erneut aufbauen kann, in einem Park, oder auf einem großzügig angelegten Platz mit viel Publikum. (Meinen spontanen Schock möge er mir verzeihen. Er ist ja schon verflogen.)

Informationen unter http://www.staedelmuseum.de/de/manuel-franke  
und http://blog.staedelmuseum.de/manuel-franke-colormaster-f/

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Europas „Migrationshintergrund“

Europa war eine hübsche junge Phönizierin. Zeus verliebte sich in sie. In Gestalt eines Stieres entführte er sie schwimmend von Sidon (heute im Libanon) nach Kreta. Der ganze Erdteil sollte von nun an ihren Namen tragen.

Foto: Europa auf dem Stier reitend auf dem Dach des Senckenberg-Museums in Frankfurt

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Brickegeldkassierer a.D.

Was hawwemer in Frankfort jetzt fer ville Bricke. Die kammer ja kaum noch zähle. Erschendebbes Besonneres hawwese ja all. Awwer aa Brick is von de Berjer selber gebaut worn, naja, gebaut net, awwer bezahlt. Des war schon e ganz besonner Geschischt. En ganz aale Frankforder hat die am eischene Leib erlebt…

Eiserner Steg, Neujahr 1886:

„Ei Gude, ihr Leut, wo kommt ihr dann all her? Wollt ihr all emal iwwer unsern scheene Steesch laafe? Na, da habter awwer Glick, dass ihr net gestern schon komme seid. Da hätt isch eusch nämlisch noch abkassiert. Da hätt ihr jeder aan Kreuzer bezahle misse! 17 Jahr lang hab isch jeden liebe lange Daach hier in dem klaane Häusche gesesse un hab kassiert!

Mir Frankforter hadde doch bloß die aa Brick, unser uraal aal Brick. Un wammer nach Sachsehause wollde, mussde mer jedesmal bis an die aal Brick laafe. Da wollde mer halt noch e zwett Brick, des kammer doch verstehe? Die Stadtverwaldung war ja aach dadefier. Aber bis die Kerle sisch emal reesche, des dauert! Soo lang konnde mir net warde. Mir hawwe ganz aafach e privat Aktiegesellschaft gegründt un hawwe uns de Schmick engagiert. Des waaß jeder, dass des en erstklassische Bau­ingenieur is. Der war der rischtische Mann für uns! Die aal Brick, die hat verzeh Bricke­pfeiler, aber unsern Eiserne Steesch, der hat bloß zwaa! Des is was ganz Mo­dernes! Aber viel Geld hater gekost, der Steesch – hunnert­zwanzisch­dausend Gulde! Die mussde erschendwie widder reikomme! Dadefier dorft isch dann sorje!

1869 war de Steesch ferdisch un bis gestern musst jeder, der niwwer wollt, aan Kreuzer bezahle! Un isch war de Kassierer, 17 Jahr lang, hab isch ja schon gesacht. Jetzt hat awwer die Stadt die Gesellschaft iwwernomme. Mer muss nix mehr bezahle un isch bin dademit iwwerflissisch geworn. Des is hart! Daa muss isch misch erst draa gewöhne. So isses, un desdeweesche bin isch halt jetzt daa un guck, wie des so geht, ohne Brickegeld un ohne misch! Schee für eusch, dass ihr nix mehr bezahle misst. Des is eusch gegönnt!

Gell, ihr wollt gar net nach Sachsehause? Ihr wollt bloß emaal in de Maa nunnergucke? Ja, dann winsch isch eusch noch en scheene Daach in Frankfort!“

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wehe wehe www

Ach, wie ist die Welt so freundlich,
Freunde hier und Freunde da,
Dubai, Kuba und Kambodscha,
alle Länder werden nah,
von Australien bis nach China,
Feuerland und Afrika,
Indonesien, Zypern, Grönland,
Kasachstan und USA,
Norwegen, Berg-Karabach,
irgendwer ist immer wach,
der mit dir weint und mit dir lacht.
Sprichst du seine Sprache nicht,
fällt das gar nicht ins Gewicht:
Schick ihm ein Emotikon
und dein Freund versteht dich schon.
Doch wehe, wehe, www,
wenn ich an das Ende seh!
Im Netz, das euch so schön vereint,
versteckt sich ein ganz fieser Feind.
Die Spinne, die das Netz gewebt,
stürzt sich auf alles, was da lebt.
Sie saugt es aus bis auf die Hülle
und labt sich an der Daten Fülle.
Sie trickst, faked, tötet immerzu,
die leere Hülle, die bist du.

Musenkuss

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Mariesche

Es ist bald Muttertag! In so einer Stadt wie Frankfurt gibt es sicher viele Mütter, die es nicht leicht haben, eine davon mitten in der Stadt, an der Hauptwache…


Frankfurt am Main, Madonna an der Außenmauer der Katharinenkirche

Mariesche, ach, du dust mer leid,
du bist ja ganz beschisse,
doch ebbes musste wisse:
Du bist des Bild der heut‘sche Zeit.

Was sin die Taube fer e Zores,
die hawwe disch so zugerischt,
un wer von Friedenstaube sprischt,
der babbelt werklisch Goggelores.

Verdreckt is aach dei Bobbelsche,
des sonst doch so e Wonne.
Isch such jetzt gleisch e Putzkolonne
für disch un für dei Zwockelsche.

Isch lass mich des paar Euro koste,
es is ja für en gute Zweck.
E leedisch Mutter is trotz Dreck
net uff verlornem Poste!

Musenkuss

Anmerkung (1):
In der ersten Strophe gibt es einen mundartsprachlichen Fehler: Es müsste eigentlich „verschissen“ heißen, nicht „beschissen“, von den Tauben verschissen. Den kleinen Gedankensprung zu den beschissenen Zeiten mute ich flexiblen Frankfurtern einfach mal zu. 😉

Anmerkung (2):
Mit der kleinen Madonna hat wirklich jemand Mitleid gehabt. Sie ist inzwischen durch ein kleines Dach vor Taubendreck geschützt!

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Bleib drauß vor der Tür

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„Das Nizza“, Stolz der Frankfurter

„Gell, des is e schee Plätzche hier? Gottseidank wisse net alle Leut, wie schee des hier is, sonst käme se ja all daaher. Die Eigeplackte un die Touriste, die denke, mir deede spinne, wann mir was vom Nizza erzähle. Die wisse net, dass mir unser eische Nizza habbe. Des hier is unser Nizza. Mer maant, mer wär am Middelmeer! Hier zwischem Maa un dere hohe Kaimauer isses ja aach wunnerbar windgeschützt und warm.

Des Nizza hat emal de Stadtgärtner Weber aageleescht. Deswesche hängt für den hier die Gedenktafel. Des war 1860. Abber die Plän dadezu, die warn schon älder, die hatt schon sein Obbaa gemacht. Der war nämlisch aach Frankforder Stadtgärtner, der berühmte Rinz, der wo de ganze Aalaachering aagelescht hat. Für den steht e rischdisch groß Denkmal in de Friedberjer Aalaach. Da war wohl erst net genuch Geld da, für so e ganz besonner Aalaach und dem Rinz sei Plän habbe warte misse.

Ganz frieher hatt de Maa en Seideaarm, de „Klaane Maa“, un e Insel. Un uff dere Insel war die „Mainlust“. Des war e arsch beliebtes Ausfluchslokal. Abber dann habbese de Klaane Maa zugeschitt un die Maalust musst aach fort, un des alles weesche de Hafebahn! Un e Industrielaacher wolldese hersetze! Sapperlott! Abber da habbe die Frankforder net mitgemacht. Erst schon die Maalust fort un dann aach noch e Industrielaacher her! Naa!

Un weil se all protestiert habbe, dorft dann der Weber die Plän von seim Obba rausholle und dorft hier die schee Aalaach baue. Da sin mir aach eewisch dankbar defier.“

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Was bleibt?

Alle werden älter, jeder jeden Tag. Wenn man aber ein gewisses Alter erreicht hat, wird das Thema akut und lässt sich immer schwerer verdrängen. Was bleibt? Von mir wird gar nichts bleiben außer ein bisschen Dreck. Aber was bleibt von all dem, was ich gemacht habe?

Es ist mir klar, dass ich meine Kreativität auf zu vielen verschiedenen Gebieten austobe. Dadurch weiß keiner so recht, wofür dieser MUSENKUSS nun eigentlich steht und ich frage mich, was wohl bleibt, wenn ich mal „abgetaucht“ sein werde.

Ich könnte mir vorstellen, dass ausgerechnet meine Kaulquappen mich überleben, so klein sie auch sind, und wenn es nur in einem Halbsatz ist…

„… denn ohne Metamorphose ist alles Jacke wie Hose.“

Geboren wurden sie, bzw. geschlüpft sind sie 1994, damals in einem Grüppchen von 30 „Dickköpp“. In einem Antiquariat in Friedrichsdorf am Taunus habe ich sie zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ihren bisher letzten Auftritt hatten sie 2012 am Blauen Steg an der Nidda in Frankfurt-Rödelheim.
siehe: Kaulquappen am Blauen Steg

Voriges Jahr sollten sie dort nochmal kaulen und quappen, aber es hat sich niemand für sie interessiert. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass sie mich überleben. Sie sind ja Fachleutchen in Sachen Metamorphose. Übrigens ist aus dem Grüppchen von 30 inzwischen eine Meute von 60 geworden. Doppelgänger haben sie auch bekommen, kahlgründerische und frankfurterische und manchmal gesellen sich Einzelgänger dazu, z.B. von der Drau, der Trave und der Krummen Lanke.

Ein kleiner Quapp in der Krummen Lanke war im Dilemma:
Er liebte Emma. Doch heiraten? Nein danke.
Wer weiß denn, was die Kleene mal macht, hat sie erst Beene…..

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Wo Köpfe leicht mal fallen

Ein Bildhauer, der Jahr um Jahr
in Moskau sehr erfolgreich war,
hat eines Tages sich verschätzt
und etwas in die Welt gesetzt,
das viel zu groß geraten.

Kolumbus hält man zwar in Ehr,
doch 600 Tonnen sind zu schwer!
Den Christoph wollte keiner haben,
nicht mal im Kolumbusjahr
und nicht einmal geschenkt!

Der Künstler war zunächst gekränkt,
begann zu meditieren: Zu groß, zu schwer?
Nun, was zu groß für Christoph war,
ist nicht zu groß für einen Zar!
So macht er wenig später
aus Christoph einen Peter.

Das Segelschiff steht beiden gut,
nur das Gesicht passt leider nicht.
Wo Köpfe leicht mal fallen,
war dies der schwerst‘ von allen.
Doch wann gibt’s schon, wie hier,
nen neuen Kopf dafür?
Auf Christophs Schiff mit festem Schritt
Zar Peter neues Land betritt.
                           

MUSENKUSS


Beim ersten Anblick erschien mir diese Statue fast beängstigend groß, ja monströs. Erst als ich sie von verschiedenen Seiten und schließlich von einem Park aus durch die Bäume hindurch gesehen hatte, war ich versöhnt:

Und köstlich amüsiert habe ich mich, als ich anlässlich eines Besuchs bei einem Moskauer Künstler aus einem Dachfenster im vierten Stock Mast und Segel des Schiffes von Kolumbus bzw. Zar Peter sah:

Als ich 2010 in Moskau war, wurde mir die Geschichte vom Umfunktionieren der Statue berichtet und ich fand sie damals auch im Internet bestätigt. Inzwischen bestehen offenbar Zweifel, ob der Kopf tatsächlich ausgewechselt wurde. (Dass man bei der Statue einen mit Kügelchen kaschierten Absatz um den Hals herum sehen kann, könnte, denke ich, auch vom Produktionsprozess herrühren.)

https://de.wikipedia.org/wiki/Denkmal_f%C3%BCr_Peter_I._(Moskau)

Wenn man vom Hintergrund der ausgewechselten Köpfe ausgeht, mutet die Überschrift eines Artikels in welt.de makaber an: „Peter der Große: Der Zar, der seine Feinde eigenhändig köpfte“ – Das Wort „eigenhändig“ ist aber wohl nicht ganz wörtlich zu nehmen. Zugeschaut hat er, wie geköpft wird. Schlimm genug. Aber welche Ironie der Weltgeschichte, dass die Statue des Christoph Kolumbus geköpft wurde, um auf sie den Kopf des köpfenden Zaren zu montieren!

(https://www.welt.de/geschichte/article118502066/Der-Zar-der-seine-Feinde-eigenhaendig-koepfte.html#cs-Peter-der-Grosse-Strelitzen-Surikow-1879.jpg)

Der Bildhauer des gigantischen Denkmals und vieler anderer Monumentalstatuen ist Surab Zereteli, geboren 1934 in Tiflis. Zitat aus Wikipedia: „Dieses Denkmal für Peter den Großen sollte ursprünglich Christoph Kolumbus darstellen, aber weder die Dominikanische Republik, noch Venezuela, noch Brasilien wollten von Surab Zereteli ein Denkmal zum 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas haben. “

(https://de.wikipedia.org/wiki/Surab_Zereteli)

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Rauhreif im Kahlgrund

„Kahlgrund“ nennt man die Gegend in Unterfranken rund um das Flüsschen Kahl, das bei Kahl am Main in den Main mündet. Dazu gehört nicht nur der „Grund“, das Tal, sondern gehören auch die Höhenzüge.

Im Friehling isses schee, im Summer aach.
Im Herbst isses besunnerscht schee.
Äwwer wer mooch scho de Winder leide?
Der hot heitzedååach vill Räächezeide,
un gits werklich emoll Schnee,
dånn schenne all die ville Leit,
die mim Audo uff die Ärwet misse.
Die finne de Winder gånz beschisse.
Debei gits im Winter net bluß Rääche un Schnee,
nåå, alsemol is Ebbes ze säh,
des is e Mirakel, e oinmaliches Nadurspekdakel:

Es git en Reif, un noch en Reif,
un als noch ååner owwedruff.
Der Reif, der reift, und wånn de Rauhreif ferdig is,
dånn gits nix Schinnersch, des is gewiß.
Wer doo iwwer die Stempelheeh gieht,
der kimmt sich wie im Märche vor,
wie in eme Kristallpalast.
Der dut vor Glick die Luft oohaale.
Es is su schee, daß mersch net faßt.
Su e Pracht, die gits kåmort.
Un is die Pracht dann werrer fort,
dånn baßt er scho uff’s nächste Johr.

MUSENKUSS

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Die Telefonierer

Zwei nackte Männer stehen mitten in Frankfurt und telefonieren ohne Ende. Das fällt überhaupt niemandem auf, denn alle Passanten sind ganz auf ihre Mobiltelefone konzentriert.

Frankfurt am Main, Philipp-Reis-Denkmal an der Bockenheimer Warte

 

Der Erfinder des Telefons blickt über alle und alles hinweg.

 

Wer so heiß telefoniert wie diese Beiden, ist schließlich der Welt entrückt.

 

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Porträt einer Einzeltäterin

Charlotte Corday, die sich 1793 einen Reisepass besorgte, mit der Postkutsche aus ihrem Dorf in der Normandie nach Paris fuhr, dort ein großes Küchenmesser kaufte, nach mehreren vergeblichen Versuchen doch noch bei Jean Paul Marat vorgelassen wurde – er saß gerade in der Badewanne -, sich ein wenig mit ihm unterhielt und ihn dann kaltblütig mit voller Wucht erstach.
Aquarell von ihrer Freundin Mlle de Beaumont
Fotografiert im Musée Lambinet in Versailles

 

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Brickegickel

Wie schön, dass der Brickegickel wieder auf der Alten Brücke steht!

 

Auf dem Ölgemälde meines Großvaters Wilhelm Leis ist tatsächlich die Silhouette des Brückenkreuzes, auf dem der Brickegickel steht, zu erkennen.

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