Auf dem Henninger-Turm

Henninger-Turm, Zeichnung: Otto Leis, Copyright: Ulla Leis

Es war im ersten Jahr des Henninger-Turms. Das weiß ich so genau, weil die beiden Aufzugmonteure berichteten, dass sie ein Jahr lang ständig „griffbereit“ sein müssten. Das war vermutlich ein ziemlich langweiliger Job. Als meine Eltern und ich bei einem Gaststättenbesuch – unten im Turm, nicht im Drehrestaurant – mit ihnen ins Gespräch kamen, waren sie daher sehr angetan, als mein Vater mich zu vorgerückter Stunde bat, doch die Gitarre zu holen. Wir wohnten in der Fritz-Kissel-Siedlung und ich fuhr mit unserem wunderschönen tundragrünen DKW Junior nach Hause und holte die Gitarre.
Es entwickelte sich das, was wir damals einen „gemütlichen Abend“ nannten. Dazu gehörte immer Gesang. Mein Vater spielte Gitarre und hatte ein unerschöpfliches Repertoire an Liedern. Die Monteure waren begeistert. Es wurde spät. Das Restaurant wurde geschlossen. Die Monteure nahmen uns im Aufzug mit nach ganz oben und noch eine Treppe höher in einen kleinen Technikraum. Dort ging der gemütliche Abend gemütlich weiter.
Die Krönung war zuguterletzt, dass wir eine Hühnerleiter hochsteigen durften, hoch aufs DACH des Turms! Da stand ich, hielt mich am roten Positionslicht fest und guckte ganz vorsichtig hinunter auf Frankfurt.

Klar, muss ich daran denken, wann immer ich den Henninger-Turm sehe.

 

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