Zeitlos auf Jamaika

Ich melde mich zurück. Ich war ein wenig außerhalb der Zeit. Vielleicht war es auch ein wenig mehr als ein wenig. Außerhalb der Zeit hat man einfach kein Zeitgefühl.

Jamaika ist absolut zeitlos. Es gibt zwar zwei Zeitangaben, „soon“ und „later“, man kann sie aber beliebig austauschen und sie bedeuten beide rein gar nichts. „Soon“ bzw. „later“ kann in einer halben Stunde sein, allerdings wäre das etwas ungewöhnlich, es kann am nächsten Tag sein oder in einer Woche, vielleicht auch in einem Monat. Das ist auch alles gar nicht sonderlich wichtig. Wichtig ist, dass es eine Kontinuität gibt, dass alles irgendwie weitergeht, egal wie schnell oder langsam.

Wenn der Strom ausfällt, ist alles still. Keiner schimpft oder ruft die Nachbarn an, ob sie auch keinen Strom haben, oder ruft womöglich den JPS an, den Public Service. Es ist so und das macht nichts und irgendwie geht alles weiter. Manchmal gibt es nach 10 Minuten wieder Strom, manchmal erst nach 8 Stunden. Das ist völlig egal. Es ist ja alles im Rahmen von „soon“ oder „later“.

Das Patois, die Sprache der Jamaikaner, hat in seiner Grammatik weder Zukunft noch Vergangenheit. Man könnte daran schier verzweifeln. Aber das wäre in dem himmlischen Klima doch zu schade. Also gewöhnt man sich, alles offen zu lassen und nur in ganz wichtigen Fälllen weit auszuholen und lästige Fragen zu stellen.

In ganz wichtigen Fällen wird auch mal von „tomorrow“ oder einem bestimmten Wochentag gesprochen. Aber dafür gilt dasselbe wie für „soon“ und „later“. Es ist alles eins.

Was die „deutsche Pünktlichkeit“ ist, kann man keinem Jamaikaner erklären. Es ist zu exotisch.

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