Stille – performed

Meine Heimatstadt Frankfurt ist reich an Orten für kulturelle Veranstaltungen. Im Mousonturm gibt es oft Ungewöhnliches, Experimentelles zu sehen, so auch gestern mit der Performance „Born to make you happy“ der beiden Künstler Daniel Cremer und Vincent Stefan. Das Phänomen des gutbürgerlichen „Liederabends“ wird hier nicht nur auseinander­genommen und wieder zusammengesetzt, es werden dem „Neu­bau“ auch neue Teile hinzugefügt. Das hört sich brutal an, ist es auch, aber wenn eine Sache offensichtlich mit Engagement an­gegangen und mit Herzblut gestaltet wird, werden sogar brave Frankfurter Bürger mitgerissen.

Es gäbe über diese Performance viel zu berichten, viel zu diskutieren. Ich möchte hier nur eine Phase schildern, die mich besonders be­eindruckt hat:

Das Publikum, besser: die Teilnehmer, in zwei konzentrischen Kreisen sitzend, wurden aufgefordert, sich – jeder für sich – auf eine einzelne, im Saal befindliche Sache zu konzentrieren, irgendeine. Ich wählte die Musik, die vom Klavier herüberklang. Außer der Musik war nun nichts zu hören, kein Mucks, kein Räuspern. Alle hatten sich offenbar wirklich stark auf irgendetwas konzentriert. Ich lauschte der Musik. Sie wurde leiser und leiser und verklang. Ich lauschte weiter und hörte nun die Stille, hörte die Konzentration meiner Mitmenschen, hörte sie ganz eindringlich! Sie dauerte nicht etwa nur eine Minute, nein, sie dauerte eine kleine Ewigkeit, Zeitlosigkeit, Lautlosigkeit. Die Stille war nicht nur zu hören – ich fühlte sie auch. Ich muss zugeben, dass ich gar nicht mehr weiß, wie wir aus der Stille wieder herauskamen…

Zur Information: http://www.mousonturm.de/web/de/veranstaltung/born-to-make-you-happy

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