Nicht schwindelfrei

Es war einmal ein König, der wollte ein ganz besonderer König sein. Er ließ sich auf dem großen Platz vor seinem Palast einen ganz besonders hohen Thron errichten, damit seine Untertanen ihn bewundern und er sein Land weit überschauen konnte. Als der Thron fertig war, musste eine Leiter angelegt werden, damit er ihn besteigen konnte. Da saß er nun ganz hoch oben und seine Untertanen mussten den Kopf in den Nacken legen, um ihn zu sehen.

Der König merkte, dass er nicht ganz schwindelfrei war, aber das konnte er ja nicht zugeben. Er hielt sich tapfer und überstand den ersten Tag auf seinem Thron einigermaßen glimpflich.  Es hatte ihn sehr angestrengt, sich dort oben aufrecht zu halten, nicht zu schwanken und nicht zu fallen. Nachts konnte er nicht schlafen, weil er auf Abhilfe sann. Am nächsten Tag ließ er den Thron mit Pattex bestreichen, stieg die Leiter hinauf und setzte sich. Nun fühlte er sich schon wohler. Er saß fest und sicher, so sicher, dass er abends gar nicht absteigen wollte. Vielleicht konnte er auch nicht. Er schlief ein und schlief so fest wie er saß.

Gegen Morgen kam ein Sturm auf. Der König wachte auf. Er hatte keine Angst. Er saß ja ganz fest und sicher. Der Sturm wurde stark und stärker. Der König wankte nicht. Aber der Thron, der so ganz besonders hoch war, der fing an zu schwanken. Donnerschläge und Blitzlichter sorgten für eine imposante Kulisse. Eh der König begriffen hatte, in welcher Gefahr er sich befand, passierte es schon: Eine kräftige Bö schmiss den ganz besonders hohen Thron samt dem ganz besonderen König einfach um.

Da lag er nun im Dreck, festgeklebt an seinem Thron. Als das Gewitter vorbei war, kamen ein paar Untertanen vorbei. Sie legten den Kopf in den Nacken und suchten ihren König. Aber sie sahen ihn nicht.

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