aus Quapp Total:
“Quäppchen, guck dir die Fische an: Das sind ganz arme Schweine! An denen ist nicht nur nichts Schönes dran, sie kriegen auch niemals Beine!”
“Ja, mein Quapp, wir sind besser dran. Denn ohne Metamorphose ist alles Jacke wie Hose.”
aus Mein Berlin:
Philosophie
Wat weeß ick,
un wen kümmert’s schon,
ob ick ick bin,
oder nur een Teil davon?
Ob ick vielleicht Erinnrung bin,
an mir,
oder nur Vorstellung,
von mir.
Vielleicht bin ick erst
in Planung?
Keene Ahnung.
Wat weeß ick,
un wen kümmert’s schon,
ob ick ick bin,
oder bloß een Bild davon,
im Spiejel.
Oder ob nich eijentlich
meen Schatten
eijentlicher is als ich?
Vielleicht bin ick
een Experiment?
Een Modellversuch?
Een Fehlversuch?
Een Fluchtversuch?
Ick weeß nur:
Ick bin renitent.
Fotografiert im Spreepark
aus Gereimtes und Ungereimtes:
Eigentlich wär ja mein Freund ganz nett,
wenn er nicht Familie hätt’.
Schwestern, Schwäger, Onkels, Tanten,
Nichten, Neffen, alles, was man an Verwandten
auf der Welt nur haben kann.
Alle würd’ ich herzlich lieben,
wenn sie mir vom Halse blieben.
Doch die, die ham sich’s vorgenommen:
Sie kommen!
Käm’ der Onkel, wär’s mir recht.
Auch Mama wär’ mir willkommen.
Schwester auch, in jedem Falle.
Doch bei denen ist’s der Brauch:
Sie kommen alle!
Helft mir Leute, helft mich retten!
Borgt mir Stühle, borgt mir Betten,
Tassen, Teller, Gabeln, Messer.
Vor allem müsst Ihr eins mir leih’n,
dann geht’s mir besser:
Ne Riesenpfanne -
da hau ich se rein.
aus Von allerlei Gewässern und allerlei Getier:
Im Wörtersee
“Baden verboten!” sagten meine Lehrer. Ich tat es doch. Und noch. Und nöcher.
Die Schlöcher stehn am Rand und schrei’n ganz laut, ich hätt’ ihr A geklaut.
Hab’ ich auch. Denn Baden macht noch mehr Spaß mit ganz vielen AAAAAs.
(Verwendung des Begriffs “Wörtersee” mit freundlicher Genehmigung von Robert Gernhardt – Mai 97)
aus Quand il pleut à Cherbourg:

Le bleu reviendra, reviendra.
aus Zwischen Frankfurt und Mainhattan:
Es muß net immer Capri sei! Guck doch nur her, wie’s brenne dut!
Es mächt der Abendsonneschei im Häusermeer sich aach ganz gut!
Laß Caprifischer fische fahrn bis morjens in der Frieh.
Du hast’s besser, bist dehaam un hältst im Arm dei Bella-Bella-Bella-Marie.
Brauchst net zu sorje, ob se bis morje treu der is.
Brauchst net im Booche iwwer die Wooche Netze zu schmeiße.
Un wann se zerreiße, was kimmert’s Dich?
Du schaffst uff de Bank un k ä ä f s t Der Dein Fisch.
Un Dei Glick mit Bella-Marie winkt, wann iwwer Frankfort die Sonne sinkt.
Aus Zahn der Zeit:

Das hätt’ das Vehikel nicht gedacht, dass es so würde enden,
dass seine Gedanken zwischen Kräutern und Ranken
himmlische Ruhe fänden, dass es, enthoben jeglicher Bürde,
nur immer schöner würde.
aus Gääl, gree un bloo:
Amanda
Moi Nochbern wor e goldich Fraa.
Die werd mer alsemol fehle.
Kånner kunnt suu schee babbele un vezehle.
Un su geern se aach gebabbelt hot,
sie hatt’s nie vo de Leit.
Sie hatt’s vom Werrer un vo de Hinkel,
un wie sich ännert die Zeit.
“Do kummer net noiredde”, des wor ihr Red,
“do kummer nix mache, mir ännern’s net.”
Sie hot alles genumme, wie’s is kumme.
Heit hoomersche begrååwe.
Sie fehlt.
Es is orch ruhig.
Sie hot Spurn hinnerlosse in moine Uhrn:
Schee Werrer, anner Werrer,
scho werrer Räächewerrer…
Ich muss oo se denke
bei järeme Werrer.
aus August 2010: Fahr nicht nach Moskau!
Fahr nicht nach Moskau!
Moskau brennt,
tausend Hände löschen Brände.
Fahr nicht nach Moskau!
Vor den Toren Moore schmoren,
Qualm durchdringt die Stadt.
Fahr nicht nach Moskau!
Russland brennt.
Der Sonne Glut,
der Flammen Hitze -
tu dir die nicht an.
Fahr nicht nach Moskau!
Der Qualm, er dringt in jede Ritze,
Moskau hält den Atem an.
Fahr nach Moskau!
Dass es brennt, das ist gelogen.
Fahr nach Moskau!
Der schwarze Qualm ist längst verflogen,
die Feuerwalze fortgerollt.
Fahr und schau
des Himmels Blau,
der Dächer Gold.
Fahr nach Moskau!

Aus Radio X: Ulla Leis – Berliner Chanson