Frankfurt: Der Römer und die Römer

 

Im 14. Jahrhundert stand das Frank­furter Rathaus noch da, wo heute der Domturm ist. Es wurde der schnell wachsenden Stadt damals zu klein. Ein Neubau wurde geplant. Die Ausführung wurde aber kurz vor Baubeginn abge­blasen. (So etwas ist möglich!) Statt dessen kaufte der Rat 1405 zwei Bür­gerhäuser zur Nutzung als Rathaus. Damals hatten die Bürgerhäuser in Fran­kfurt Namen. Eines der beiden ange­kauften Häuser war der „Goldene Schwan“, das andere das „Haus zum Römer“. Das „Haus zum Römer“ gab von da an dem Rathaus seinen Namen. Man sprach nur noch vom „Römer“ und meinte damit nicht nur das Haus sondern auch den Rat der Stadt. Der Name „Römer“ übertrug sich auch auf den Berg, den man nun „Römerberg“ nannte. Vorher war er einfach der „Berg“ ge­wesen, oder allenfalls der „Samstagsberg“, weil dort samstags ein Wochenmarkt stattfand.

Infolge der Zerstörung der Frankfurter Innenstadt im zwei­ten Weltkrieg kamen zwischen Dom und Römerberg Mauern der römischen Besie­delung aus der Zeit um 100 n.Chr. zutage. Erst jetzt wurde klar, dass die zu­fälli­ge Bezeich­nung „Römer­berg“ wohl­begründet war. Das Zeug­nis der römischen Besie­delung, die Mauerreste eines Bades, sind – ebenso wie Reste einer karo­lingischen Pfalz und Mauer­reste aus spätmittel­alterlicher Zeit – im Archäo­lo­gischen Gar­ten zu sehen.

Im Jahr 2012 schließt sich nun der Kreis. Das Rathaus wird mal wieder zu klein. Man braucht einen großen Sitzungssaal. Der soll dahin, wo das erste Frankfurter Rathaus stand. Nicht ganz, denn der Domturm ist im Weg. Den will man stehen lassen. Aber den Archäologischen Garten gleich daneben mit dem Beweis, dass auf dem Römerberg Römer lebten, den will man überbauen mit einem riesigen Klotz, mit einem Koloss, den man ganz bescheiden Stadthaus nennt. Ein Koloss, der nicht nur die alten Mauern überdeckt, sondern den Blick auf den Dom verstellt, den Lichteinfall in den Dom verhindert und den Menschen einen beliebten Platz zum Verweilen nimmt. Die Herren im Römer halten wohl nicht viel von den Römern und noch weniger von all den Leuten, die sich für die Geschichte Frankfurts interessieren und die voll Ehrfurcht oder auch voll Vergnügen die fast 2000 Jahre alten Mauern bestaunen.

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