„Das Nizza“, Stolz der Frankfurter

„Gell, des is e schee Plätzche hier? Gottseidank wisse net alle Leut, wie schee des hier is, sonst käme se ja all daaher. Die Eigeplackte un die Touriste, die denke, mir deede spinne, wann mir was vom Nizza erzähle. Die wisse net, dass mir unser eische Nizza habbe. Des hier is unser Nizza. Mer maant, mer wär am Middelmeer! Hier zwischem Maa un dere hohe Kaimauer isses ja aach wunnerbar windgeschützt und warm.

Des Nizza hat emal de Stadtgärtner Weber aageleescht. Deswesche hängt für den hier die Gedenktafel. Des war 1860. Abber die Plän dadezu, die warn schon älder, die hatt schon sein Obbaa gemacht. Der war nämlisch aach Frankforder Stadtgärtner, der berühmte Rinz, der wo de ganze Aalaachering aagelescht hat. Für den steht e rischdisch groß Denkmal in de Friedberjer Aalaach. Da war wohl erst net genuch Geld da, für so e ganz besonner Aalaach und dem Rinz sei Plän habbe warte misse.

Ganz frieher hatt de Maa en Seideaarm, de „Klaane Maa“, un e Insel. Un uff dere Insel war die „Mainlust“. Des war e arsch beliebtes Ausfluchslokal. Abber dann habbese de Klaane Maa zugeschitt un die Maalust musst aach fort, un des alles weesche de Hafebahn! Un e Industrielaacher wolldese hersetze! Sapperlott! Abber da habbe die Frankforder net mitgemacht. Erst schon die Maalust fort un dann aach noch e Industrielaacher her! Naa!

Un weil se all protestiert habbe, dorft dann der Weber die Plän von seim Obba rausholle und dorft hier die schee Aalaach baue. Da sin mir aach eewisch dankbar defier.“

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Was bleibt?

Alle werden älter, jeder jeden Tag. Wenn man aber ein gewisses Alter erreicht hat, wird das Thema akut und lässt sich immer schwerer verdrängen. Was bleibt? Von mir wird gar nichts bleiben außer ein bisschen Dreck. Aber was bleibt von all dem, was ich gemacht habe?

Es ist mir klar, dass ich meine Kreativität auf zu vielen verschiedenen Gebieten austobe. Dadurch weiß keiner so recht, wofür dieser MUSENKUSS nun eigentlich steht und ich frage mich, was wohl bleibt, wenn ich mal „abgetaucht“ sein werde.

Ich könnte mir vorstellen, dass ausgerechnet meine Kaulquappen mich überleben, so klein sie auch sind, und wenn es nur in einem Halbsatz ist…

„… denn ohne Metamorphose ist alles Jacke wie Hose.“

Geboren wurden sie, bzw. geschlüpft sind sie 1994, damals in einem Grüppchen von 30 „Dickköpp“. In einem Antiquariat in Friedrichsdorf am Taunus habe ich sie zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ihren bisher letzten Auftritt hatten sie 2012 am Blauen Steg an der Nidda in Frankfurt-Rödelheim.
siehe: Kaulquappen am Blauen Steg

Voriges Jahr sollten sie dort nochmal kaulen und quappen, aber es hat sich niemand für sie interessiert. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass sie mich überleben. Sie sind ja Fachleutchen in Sachen Metamorphose. Übrigens ist aus dem Grüppchen von 30 inzwischen eine Meute von 60 geworden. Doppelgänger haben sie auch bekommen, kahlgründerische und frankfurterische und manchmal gesellen sich Einzelgänger dazu, z.B. von der Drau, der Trave und der Krummen Lanke.

Ein kleiner Quapp in der Krummen Lanke war im Dilemma:
Er liebte Emma. Doch heiraten? Nein danke.
Wer weiß denn, was die Kleene mal macht, hat sie erst Beene…..

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Wo Köpfe leicht mal fallen

Ein Bildhauer, der Jahr um Jahr
in Moskau sehr erfolgreich war,
hat eines Tages sich verschätzt
und etwas in die Welt gesetzt,
das viel zu groß geraten.

Kolumbus hält man zwar in Ehr,
doch 600 Tonnen sind zu schwer!
Den Christoph wollte keiner haben,
nicht mal im Kolumbusjahr
und nicht einmal geschenkt!

Der Künstler war zunächst gekränkt,
begann zu meditieren: Zu groß, zu schwer?
Nun, was zu groß für Christoph war,
ist nicht zu groß für einen Zar!
So macht er wenig später
aus Christoph einen Peter.

Das Segelschiff steht beiden gut,
nur das Gesicht passt leider nicht.
Wo Köpfe leicht mal fallen,
war dies der schwerst‘ von allen.
Doch wann gibt’s schon, wie hier,
nen neuen Kopf dafür?
Auf Christophs Schiff mit festem Schritt
Zar Peter neues Land betritt.
                           

MUSENKUSS


Beim ersten Anblick erschien mir diese Statue fast beängstigend groß, ja monströs. Erst als ich sie von verschiedenen Seiten und schließlich von einem Park aus durch die Bäume hindurch gesehen hatte, war ich versöhnt:

Und köstlich amüsiert habe ich mich, als ich anlässlich eines Besuchs bei einem Moskauer Künstler aus einem Dachfenster im vierten Stock Mast und Segel des Schiffes von Kolumbus bzw. Zar Peter sah:

Als ich 2010 in Moskau war, wurde mir die Geschichte vom Umfunktionieren der Statue berichtet und ich fand sie damals auch im Internet bestätigt. Inzwischen bestehen offenbar Zweifel, ob der Kopf tatsächlich ausgewechselt wurde. (Dass man bei der Statue einen mit Kügelchen kaschierten Absatz um den Hals herum sehen kann, könnte, denke ich, auch vom Produktionsprozess herrühren.)

https://de.wikipedia.org/wiki/Denkmal_f%C3%BCr_Peter_I._(Moskau)

Wenn man vom Hintergrund der ausgewechselten Köpfe ausgeht, mutet die Überschrift eines Artikels in welt.de makaber an: „Peter der Große: Der Zar, der seine Feinde eigenhändig köpfte“ – Das Wort „eigenhändig“ ist aber wohl nicht ganz wörtlich zu nehmen. Zugeschaut hat er, wie geköpft wird. Schlimm genug. Aber welche Ironie der Weltgeschichte, dass die Statue des Christoph Kolumbus geköpft wurde, um auf sie den Kopf des köpfenden Zaren zu montieren!

(https://www.welt.de/geschichte/article118502066/Der-Zar-der-seine-Feinde-eigenhaendig-koepfte.html#cs-Peter-der-Grosse-Strelitzen-Surikow-1879.jpg)

Der Bildhauer des gigantischen Denkmals und vieler anderer Monumentalstatuen ist Surab Zereteli, geboren 1934 in Tiflis. Zitat aus Wikipedia: „Dieses Denkmal für Peter den Großen sollte ursprünglich Christoph Kolumbus darstellen, aber weder die Dominikanische Republik, noch Venezuela, noch Brasilien wollten von Surab Zereteli ein Denkmal zum 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas haben. “

(https://de.wikipedia.org/wiki/Surab_Zereteli)

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Rauhreif im Kahlgrund

„Kahlgrund“ nennt man die Gegend in Unterfranken rund um das Flüsschen Kahl, das bei Kahl am Main in den Main mündet. Dazu gehört nicht nur der „Grund“, das Tal, sondern gehören auch die Höhenzüge.

Im Friehling isses schee, im Summer aach.
Im Herbst isses besunnerscht schee.
Äwwer wer mooch scho de Winder leide?
Der hot heitzedååach vill Räächezeide,
un gits werklich emoll Schnee,
dånn schenne all die ville Leit,
die mim Audo uff die Ärwet misse.
Die finne de Winder gånz beschisse.
Debei gits im Winter net bluß Rääche un Schnee,
nåå, alsemol is Ebbes ze säh,
des is e Mirakel, e oinmaliches Nadurspekdakel:

Es git en Reif, un noch en Reif,
un als noch ååner owwedruff.
Der Reif, der reift, und wånn de Rauhreif ferdig is,
dånn gits nix Schinnersch, des is gewiß.
Wer doo iwwer die Stempelheeh gieht,
der kimmt sich wie im Märche vor,
wie in eme Kristallpalast.
Der dut vor Glick die Luft oohaale.
Es is su schee, daß mersch net faßt.
Su e Pracht, die gits kåmort.
Un is die Pracht dann werrer fort,
dånn baßt er scho uff’s nächste Johr.

MUSENKUSS

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Die Telefonierer

Zwei nackte Männer stehen mitten in Frankfurt und telefonieren ohne Ende. Das fällt überhaupt niemandem auf, denn alle Passanten sind ganz auf ihre Mobiltelefone konzentriert.

Frankfurt am Main, Philipp-Reis-Denkmal an der Bockenheimer Warte

 

Der Erfinder des Telefons blickt über alle und alles hinweg.

 

Wer so heiß telefoniert wie diese Beiden, ist schließlich der Welt entrückt.

 

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Porträt einer Einzeltäterin

Charlotte Corday, die sich 1793 einen Reisepass besorgte, mit der Postkutsche aus ihrem Dorf in der Normandie nach Paris fuhr, dort ein großes Küchenmesser kaufte, nach mehreren vergeblichen Versuchen doch noch bei Jean Paul Marat vorgelassen wurde – er saß gerade in der Badewanne -, sich ein wenig mit ihm unterhielt und ihn dann kaltblütig mit voller Wucht erstach.
Aquarell von ihrer Freundin Mlle de Beaumont
Fotografiert im Musée Lambinet in Versailles

 

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Brickegickel

Wie schön, dass der Brickegickel wieder auf der Alten Brücke steht!

 

Auf dem Ölgemälde meines Großvaters Wilhelm Leis ist tatsächlich die Silhouette des Brückenkreuzes, auf dem der Brickegickel steht, zu erkennen.

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Frankfurt erstrahlt

So kann Frankfurt auf einem MUSENKUSS-Bild erstrahlen:

Es gibt heutzutage Leuchtmittel, die nicht heiß werden. Über diese kann man die Leinwanddrucke meiner Fotoarbeiten, die ja auf Keilrahmen gespannt sind, einfach drüberhängen. Das Ergebnis ist eine auf jeden Fall exklusive Beleuchtung, entweder für einen Flur oder zum Relaxen, wenn man den „Kronleuchter“ ausgeschaltet hat.

 

Der „Doppelte Steg“ wäre sicher eine gute Beleuchtung für einen Dämmerschoppen.  🙂

 

Ganz romantische Beleuchtung gibt es, „Wenn nur Hindemith noch wach ist“, mit dem Kuhhirtenturm in Sachsenhausen, in dem Hindemith einst gelebt hat.

Wer es gerne heller möchte, könnte die Galluswarte leuchten lassen:

Sie hätte es verdient, denn in ihrem Umkreis hat sich in den letzten Jahren viel Kultur angesiedelt und es wird wohl weiterhin aufwärts gehen, mit dem „Aschenputtel“ unter den Frankfurter Warten.

Mehr Motive zur Auswahl gibt es auf der Seite „Dig itale Musenküsse„.

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Kunst ohne Künstler?

Schon seit vielen Jahren geistert der Begriff „Copyright“ durch alle Sparten von Kreativität. Man muss stets darauf bedacht sein, dass kein Copyright, fremdes oder eigenes, verletzt wird. Daher wird im Allgemeinen bei einem Kunstwerk auch der Künstler genannt, der es kreiert hat. Umso erstaunter war ich, dass es zu einem Kunstwerk, das in Frankfurt vor dem Dominikanerkloster steht, keinen Künstler gibt. Ich habe mich sehr bemüht, ihn herauszufinden und mich auch an die Evangelische Kirche gewandt, für die das rostige Objekt wirbt, was man dank einer eingearbeiteten Plakette erkennen kann. Es gibt keinen Künstler, wurde mir gesagt. Das Werk ist also „nur“ Werbung. Nach meinem Empfinden ist es eine sehr künstlerische Werbung.

Und da dieses Kunstwerk ohne Künstler mich fasziniert, habe ich ihm einen kleinen Text verpasst.
(Keine Werbung, Künstler der Kleinkunst bekannt, Copyright: Ulla Leis / Musenkuss)

Ich stecke voll Begeisterung,
voll Übermut und Kraft und Schwung,
und so setz‘ ich an zum Sprung.
Doch: “Wo soll’s hingehn?“, frag ich mich.
“Will ich vor oder zurück?
Geh ich in die Luft?
Oder vielleicht gar in die Knie?“
Im Sprung verharre und erstarre ich.
Verwirrt hat sich mein Sinn.
So steh‘ ich nun recht lange schon
und roste vor mich hin.

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Gestaltung

Spät abends in einem dunklen Durchgang in der Offenbacher Schlossstraße fiel mein Blick in diese Nische. So wischiwaschi wie dieses Foto war auch mein erster Eindruck. Aber irgendetwas war auffallend an diesem urbanen Triptychon. Ich musste doch mal näher hinschauen:

Ach so, diese Nische, diese Wand gehören zum Komplex der Offenbacher Hochschule für Gestaltung! Das erklärt die Reliefs. Sie sind vom Anfang des 20. Jahrhunderts, zeigen Handwerker und Künstler bei der Arbeit, bei der Gestaltung ihrer Ideen. Und gleich daneben sehen wir nun die gestalterischen Versuche derer, die es in unserem 21. Jahr-hundert nicht an die Hochschule geschafft haben, vermutlich auch gar nicht versucht haben. Nicht jeder hat die Möglichkeit zu studieren. Aber den Drang zum Gestalten haben alle und haben sie immer gehabt, von Lascaux bis Offenbach.

Ein paar Eindrücke des Offenbacher Gestaltungswillens gibt es auch hier zu sehen:
http://musenkuss.de/grenzgang/

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Königsbrünnchen

Als ich in den fünfziger Jahren das Königsbrünnchen kennenlernte, sprudelte es aus rot gefärbten Steinen, dicht umstellt von Bäumen, die es zu einem lauschigen Plätzchen machten.

Königsbrünnchen im Frankfurter Stadtwald 1958,
Zeichnung: Otto Leis, Copyright: Ulla Leis

 

So sieht das Brünnchen heute aus. Es ist offenbar Platz geschaffen worden für großen Besucherandrang. Die Stimmung ist nun eine andere. Aber das eisenhaltige Wasser ist noch dasselbe, wenn es auch fließt und ständig neu ist. Es schmeckt noch genauso wie früher und es gibt auch immer noch Leute, die sich ein paar Flaschen davon abfüllen und mit nach Hause nehmen.

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Mars

Wer hat in meinen Helm gepinkelt?
Wer hat mir Sand ins Getriebe gestreut?
Wer hat mich beschissen,
vermöbelt,
verbleut?
Fühlt euch ruhig stark.
Es wird euch nichts nützen.
Mars ist der Größte.
Wie eh und je.
Reckt sich und streckt sich.
Schüttelt euch ab und lacht euch aus,
euch Friedensflöhe,
euch pazifistische Heckenschützen.

MUSENKUSS

 

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Schiller in Frankfurt

„Schiller in Frankfurt“ ist für Frankfurt kein rühmliches Thema. Nicht, weil er hier so respektlos eingekeilt ist, sondern weil er zu seinen Lebzeiten in Frankfurt keine Unterstützung fand.

Auf seiner Flucht aus Württemberg hatte Schiller mit seinem Freund Streicher vor Erschöpfung zunächst im Stadtwald eine Rast einlegen müssen. Daran erinnert heute noch die „Schillerruhe“. Danach quartierten die beiden sich im Gasthaus „Storch“ ein, in der Brückenstraße in Sachsenhausen. Schiller war allerdings völlig mittellos und konnte das Gasthaus nicht bezahlen. In Frankfurter Buchhandlungen erkundigte er sich nach dem Erfolg seiner „Räuber“ und erfuhr, dass das Stück ein ganz besonderer Erfolg und bereits überall vergriffen war. Er gab sich zu erkennen und bot ein Gedicht zum Kauf an. Man wollte ihm aber statt der geforderten 25 Gulden nur 18 geben, wo­raufhin er das Gedicht behielt. Es ist seitdem verschollen. Er musste im Gasthaus ausharren, bis ein anderer Freund ihm Geld schickte.

Verständlich, dass Schiller Frankfurt nicht liebte, aber die Frankfurter verehrten ihn sehr. Zu seinem hundertsten Geburtstag (1859) wurde eine Schillereiche gepflanzt, ein Schillertaler geprägt und Friedrich Stoltze gab eine Extra-Nummer seiner Krebbel-Zeitung heraus. Zum Fest kamen 40.000 Gäste nach Frankfurt. Auf dem Römerberg wurde das Gipsmodell für das Schillerdenkmal von Johannes Christian Dielmann enthüllt. Das fertige Denkmal wurde dann fünf Jahre später auf dem Schiller­platz errichtet. 1955 wurde es in die Taunusanlage versetzt (s. Foto oben).

Einen ganz besonderen Anblick bot das Denkmal 1946:
Schiller stand aufrecht inmitten der Trümmer!

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Stille – performed

Meine Heimatstadt Frankfurt ist reich an Orten für kulturelle Veranstaltungen. Im Mousonturm gibt es oft Ungewöhnliches, Experimentelles zu sehen, so auch gestern mit der Performance „Born to make you happy“ der beiden Künstler Daniel Cremer und Vincent Stefan. Das Phänomen des gutbürgerlichen „Liederabends“ wird hier nicht nur auseinander­genommen und wieder zusammengesetzt, es werden dem „Neu­bau“ auch neue Teile hinzugefügt. Das hört sich brutal an, ist es auch, aber wenn eine Sache offensichtlich mit Engagement an­gegangen und mit Herzblut gestaltet wird, werden sogar brave Frankfurter Bürger mitgerissen.

Es gäbe über diese Performance viel zu berichten, viel zu diskutieren. Ich möchte hier nur eine Phase schildern, die mich besonders be­eindruckt hat:

Das Publikum, besser: die Teilnehmer, in zwei konzentrischen Kreisen sitzend, wurden aufgefordert, sich – jeder für sich – auf eine einzelne, im Saal befindliche Sache zu konzentrieren, irgendeine. Ich wählte die Musik, die vom Klavier herüberklang. Außer der Musik war nun nichts zu hören, kein Mucks, kein Räuspern. Alle hatten sich offenbar wirklich stark auf irgendetwas konzentriert. Ich lauschte der Musik. Sie wurde leiser und leiser und verklang. Ich lauschte weiter und hörte nun die Stille, hörte die Konzentration meiner Mitmenschen, hörte sie ganz eindringlich! Sie dauerte nicht etwa nur eine Minute, nein, sie dauerte eine kleine Ewigkeit, Zeitlosigkeit, Lautlosigkeit. Die Stille war nicht nur zu hören – ich fühlte sie auch. Ich muss zugeben, dass ich gar nicht mehr weiß, wie wir aus der Stille wieder herauskamen…

Zur Information: http://www.mousonturm.de/web/de/veranstaltung/born-to-make-you-happy

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Der Zahn der Zeit

Zeit ist etwas, das man eigentlich nicht sehen kann. Manchmal wird Zeit aber ganz offensichtlich sichtbar, nämlich durch den „Zahn der Zeit“.

Grabmal auf dem alten Petersfriedhof in Frankfurt am Main

 

Treppe an einem alten Kloster in Moskau

 

Schiffswrack in der Karibik

 

Die Zeit hat viel Zeit. Sie steht am Strand und rostet vor sich hin.

 

Die Uhrzeit zeigt diese Uhr nicht mehr an, aber die Zeit!

 

Fresken in der Abbaye du Thoronet, Südfrankreich

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